Heute vor 4 Wochen – auf den Tag genau – habe ich mich aus der Sklaverei befreit. Nach 17 Jahren. Ich nehme hier keinerlei Bezug auf einen ähnlich klingenden Film oder menschliche Sklaverei. Ich habe mich selbst und aus freien Stücken in eine Abhängigkeit begeben und brauchte 17 verdammt lange Jahre um zu merken in was ich da eigentlich feststecke. Warum ich darüber schreiben möchte. Um mich eventuell irgendwann daran zu erinnern wie es sich anfühlt bzw angefühlt hat – NEIN – zu sagen, dagegen anzukämpfen um am Ende als Gewinner aus diesem eventuell tödlichen Spiel zu gehen – für den Fall, dass ich warum auch immer ins Wanken gerate oder einen Moment der Schwäche, ein Verlangen verspüre. Aber viel mehr noch – weil ich, wenn es dir eventuell genauso geht oder du dich mit den selben Gedanken herumplagst, einen Anstoß geben möchte.
Vermutlich hast oder hattest du auch so jemanden in der Familie, in deinem Freundes- oder Bekanntenkreis – eventuell bist du es sogar selbst, jemand der sich irgendwann mal von heute auf morgen in diese Abhängigkeit geschmissen hat. Aus welchen Gründen auch immer – wenn es denn überhaupt rational gesehen welche geben sollte. Gründe gibt es definitiv keine! Wohl aber Umstände die einen Einstieg begünstigen können

Als Kind hatte ich nie Verständnis dafür und weiß heute noch, dass ich – in diesem Fall war und ist es noch mein Onkel dem ich regelmäßig zu verstehen gegeben habe, dass es mich so richtig aufregt was er sich damit antut.

Irgendwie kam es dann doch dazu. Ich habe angefangen zu rauchen. Mit fast 17. Mit den Jungs und natürlich auch den Mädels vor der Schule am Nebeneingang getroffen und mehr als lässig am Glimmstängel gezogen. Weil es gefühlt einfach alle getan haben. Von außen betrachtet muss das schon ziemlich cool ausgesehen haben – und mindestens haben wir uns – aber auf jeden Fall ich mich gefühlt. Nach der Schule das selbe Spiel. Vor und nach dem Sportunterricht. Beim warten auf den Bus oder die Bahn. Abends auf Parties oder bei den Hängersessions im Park. Im Proberaum beim Musik machen. Später dann auf dem Weg zur Arbeit. Auf dem Weg zurück. Vor dem Essen. Nach dem Essen. Auf der Toilette 😀 … Und eben bei jeder Gelegenheit die sich eben angeboten hat. Bis sich das Ganze zu einer Gewohnheit entwickelt hat und ich so überhaupt nicht mehr darüber nachgedacht habe was da eigentlich passiert. Ich habe es ziemlich Erfolgreich zu einem Teil meines alltäglichen Lebens gemacht.

Dass Rauchen nicht unbedingt der Gesundheit zuträglich ist – ganz klar – aber hey … so what. Wir haben ja nur das eine Leben und warum dieses nicht in vollen „Zügen“ genießen. Selbst mit Einführung der Warnhinweise um ein mögliches Krebsrisiko und ein eventuelle frühzeitiges dahinscheiden oder aber den kleinen mahnenden, niedlichen Bildchen auf den Schachteln und Tabakbeuteln – ganz egal – immerhin war ich ja schon süchtig. Ich habe mir eingeredet dass ich gerne Rauche und mir das auch noch Spass macht – im Winter mehr als im Sommer – weil man, wenns draußen heiß ist noch schlechter Luft bekommt. Außerdem ist die Rauchentwicklung dünner als im Winter. Was ein Quatsch. Aber es funktioniert um sich bei rauchender Laune zu halten. Auch, dass ich ganz offensichtlich einen haufen Geld einfach so in die Luft geblasen habe hat mich nicht die Bohne interessiert. Zu cool einfach mit der Lunte auf der Tanzfläche zu stehen und damit rumzufuchteln. Ich könnte das alles noch viel weiter ausbauen. Aber entweder du kennst das alles schon oder hast gar keine Ahnung davon weil du zum Glück nie damit angefangen hast 😉

Und in letzter Zeit dann immer öfter die Frage nach dem Weshalb und Warum. Und irgendwie hat sich das dann dazu auch noch mit meinem sonstigen Lifestyle gebissen. Gesund essen, der Versuch regelmäßig Sport zu machen oder sich zumindest zu bewegen – meine Mitmenschen versuchen davon zu überzeugen – (auf das Thema Schnaps kann ich nicht näher eingehen – das ist mein JOB 😀 ) – naja und dann rauchen?? – passt halt nicht zusammen.

Ich glaube das wichtigste war wohl der Entschluss zu sagen, dass ich das Rauchen an den Nagel hängen möchte bevor es mich in die Grube nagelt. Anfangs war es der Versuch die Anzahl der Zigaretten zu reduzieren. Hat auch irgendwie funktioniert. Aber mit einem endgültigen Aufhören hat das ja nichts zu tun. Ganz schnell landet man dann doch wieder bei der ursprünglichen Anzahl an Zigaretten. Der nächste Versuch war dann der Griff zur elektrischen Variante und dem Dampfen. Der Unterschied zum Rauchen dürfte den meisten mittlerweile bekannt sein – dafür ist das Thema schon zu lange in aller Munde. Aber auch hiermit hatte ich im Grunde nichts gewonnen – ich war immer noch abhängig! – musste also nach wie vor an irgendwas ziehen und inhalieren was in irgendeiner Form Nikotin enthielt.

Wie ich es dann doch geschafft habe? Auch wenn es ein wenig abgedroschen klingt. Es war die Hörbuchvariante „Endlich Nichtraucher“ von Allan Carr. Auf der Autofahrt von unserem Trip durch Holland zurück nach Hause lief das Teil welches von mir mehr oder weniger Aufmerksam mitgehört wurde. Zu Hause angekommen war für mich klar – Ich werde/bin Nichtraucher. Von heute auf morgen – von jetzt auf gleich. Weil ich es kann und weil ich den Eindruck hatte, dass mir jemand gesagt hat das ich es kann! Allerdings finde ich, dass hier nicht der Wille im Fokus steht, sondern ein durch ständiges wiederholen kleiner Phrasen suggestiver Prozess angestoßen wird. Hat nun zur Folge, dass mir bei anfänglichem Verlangen nach einer Zigarette diverse Sätze durch den Kopf springen die mir sagen, dass absolut keine Notwendigkeit besteht – dass es total dumm und sinnlos ist jetzt und überhaupt eine zu rauchen! Am Ende ist es ganz egal wieso weshalb warum – es funktioniert und das ist genau das was ich will! Auch wenn es zu Beginn natürlich alles andere als einfach war in bestimmten Situationen hart zu bleiben und sich bewusst zu werden, dass man mit dem Rauchen abgeschlossen hat.

Ich möchte auch nicht vergessen zu erwähnen, dass ich in Nora jemanden habe die mich ebenfalls in die Richtung bewegen konnte, und in den Anfängen jeden Tag unterstützt hat. Mich abgelenkt und beschäftigt hat und mir vor Augen halten konnte wie sinnlos das Ganze ist. Und ab und an tut sie das immer noch 🙂 … Vielen Dank dafür!

Es wird keine Bilder mehr von mir geben auf denen ich aktiv rauchen werde. Ebenfalls eine Entscheidung die ich in diesem Zuge getroffen habe. Wenn es auch auf der eine Seite verdammt noch mal obercool aussieht – auf der anderen Seite ist es auch einfach nur saudumm!

Du bist Raucher und hast dich auch schon mit dem Gedanken befasst aufzuhören? Tu es – jetzt! Versuche es mit „Endlich Nichtraucher“ oder mit was auch immer für dich funktionieren könnte und bleib dran – du schaffst das!

Thank you for smoking – ich bin raus!

Author

1 Comment

Write A Comment

*