Gestern war es wieder mal so weit. Ich hatte sogar mehrere Passagiere an Bord, die zum einen unfreundlich, oder sogar richtig peinlich waren. Um das alles noch kurz zu erklären: Ich habe aus der Reserve eine 4-Tagestour bekommen. Kurzstrecke. (Und… ich habe echt spaß dabei. Auch wenn mein letzter Beitrag dem Thema keinerlei Euphorie entgegenbringt. Da habe ich aber auch schon erwähnt, dass es bei der Kurzstrecke aufs Team ankommt.) Meine Kollegen sind diesmal super nett und deshalb läuft einfach alles prima. Dann kann man auch mal über einen Passagier, der seine Manieren an der Tür abgegeben hat schmunzeln und sich davon nicht den Tag vermiesen lassen.

Im Allgemeinen bin ich nicht sehr empfänglich für Beleidigungen und Idioten. Wenn jemand seine schlechte Laune an mir auslassen will, dann nehme ich dies eigentlich nie persönlich. Letzten Endes kennt mich die Person ja auch nicht. Wenn der Passagier meint mich „Fucking Whore“ nennen zu müssen – dann kennt er mich anscheinend sogar richtig schlecht. Auch wenn es absurd klingt, aber so Dinge passieren. Und sie passieren oft. Manchmal ist man das Ventil für alles. Flugverspätung – die Saftschubse ist schuld! Keinen Platz am Fenster, oder am Gang – Die doofe Flugbegleiterin hat es vermasselt. Das Auswahlessen ist leer, beziehungsweise „Ab jetzt gibts nur noch Pasta“ – die Stewardess hats vermasselt und bei 300 Gästen zu wenig gekocht…Die dumme Nuss! Ein Unwetter zieht auf und man kann aus Sicherheitsgründen den Flughafen nicht verlassen – Der Flight Attendant hat seinen Teller gestern nicht leer gegessen. Der muss es gewesen sein! Irgendjemand muss ja auch schuldig sein. Und wenn man es sich nicht anders erklären kann… Dann ist es eben die Flugbegleiterin.

Natürlich passieren bei der Fliegerei Dinge, über die man sich als Gast ärgern kann. Manche Sachen kann man nachempfinden und sogar mitfühlen. Wenn jedoch jemand daherkommt und dich wütend beleidigt, dann hast du nur bedingt Lust ihm zu helfen, oder ihm gar entgegenzukommen. Man darf aber auch nicht alles, was ein Gast so von sich gibt an sich ranlassen und das kann ich auch nur jedem, der den Weg zur Flugbegleiterin gehen möchte empfehlen.

Meine Tour führte mich gestern von Frankfurt nach Bologna und wieder zurück. Danach haben wir die Maschine gewechselt und sind noch nach Madrid geflogen. Auf dem letzten Flug kam eine Bande… nennen wir sie mal „Fitnessfanatiker“ an Bord. Ich habe mich – mit den Passagieren – zum Notfenstern gekämpft, weil ich hier prüfen muss, ob das ganze Gepäck im Fach oben verstaut ist. Aus Sicherheitsgründen muss das eben sein. Auf dem Weg dahin habe ich dann schon von Weitem bemerkt, wie zwei Gäste miteinander Diskutieren. Und tatsächlich ging es mal wieder um den Stauraum im Bin. Irgendwann bemerkten die beiden dann, dass ich hinter Ihnen stand, also war die logische Konsequenz, mir die Koffer vor die Füße zu werfen. (und ich übertreibe nicht. Der Koffer flog quasi direkt vor meine Zehen) Das allein reichte allerdings nicht. Der Satz „There is no room for my luggage. It’s your job anyways – so fix it“ wurde mir auch noch an den Kopf geballert.

Wenn jemand meint, es wäre mit meinen 1,63m mein Job einem Proleten den Koffer ins Bin zu wuchten. Dann ist das in vielerlei Hinsicht falsch. Ich bin auch nicht da, um für den Gast Tetris zu spielen, wenn man Gepäckstücke zur Seite schieben muss um noch genügend Platz für den eigenen Koffer zu schaffen. Also schoss mir auch schnell ein Satz über die Lippen, der die beiden Herren so verdutzte, dass sie schnell ihre Koffer wieder in die Hände nahmen. Et voila! Sie haben es tatsächlich ganz alleine geschafft.

Und auch wenn man während dem Grundkurs oft meint, man darf sich nicht mit Worten helfen und muss immer Lächeln und Winken, dann muss ich dir hiermit bestätigen, dass man sich von einem Gast, der unfreundlich und eventuell sogar „gefährlich“ ist nichts sagen lassen muss. Klar, das Gemüt einer jeden Flugbegleiterin sollte immer harmoniesuchend sein. Genau so wurden wir ja auch ausgewählt. Emphatisch, beruhigend und mitfühlend. Aber man darf den Menschen auch in der Luft sagen, wenn sie etwas falsch verstanden, oder gar direkt falsch gemacht haben.

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