„Wie – Sie fliegen heute noch weiter?!“ Das hört man oft, wenn man zur Abwechslung mal eine Kurzstreckentour im Plan hat. Viele Gäste denken, wir würden eben nur die eine Strecke fliegen, bei der Sie selbst auch dabei sind. Für den Gast ist das ja auch schon anstrengend genug! Allerdings sieht die Realität ganz anders aus. Eine Kurzstreckentour kann 1-5 Tage lang gehen und ist immer anders bestückt.

Das Schöne an der Kurzstrecke ist, dass man fast immer in einer anderen Stadt übernachtet. Das hört sich jetzt irgendwie traumhaft und nach Urlaub an, aber ganz so entspannt ist das nicht. Es gibt zwei, beziehungsweise drei verschiedene Modelle bei unseren Kurzstrecken. Entweder, man hat eine Frühaufsteher Tour – die fängt dann meist so um 5:30 Uhr mit dem Briefing an. Oder eben die Späte. Bei der Frühen muss man immer früh raus (Pick up im Hotel um 3:30 Uhr kann da zur Norm werden) und bei der Späten kommt man eben erst nachts im Hotel an und es geht am nächsten Tag dann gegen Mittag weiter. Ich habe tatsächlich mal wieder eine späte Tour in meinem Plan. Ich muss erst um 14:55 Uhr in meinem Briefing sitzen. Nach dem Briefing gehts dann von Frankfurt nach Krakow. Von Krakow zurück nach Frankfurt und dann nach Amsterdam. Nur drei Legs – das ist eigentlich super Entspannt. Am nächsten Tag geht es dann von Amsterdam zurück nach Frankfurt um danach von Frankfurt wieder nach Prag und zurück. Am Ende laden ich dann in Bilbao (4 Legs) und bin vermutlich so um 1 Uhr in der Nacht im Hotel. Einen freien Tag hat man in der Regel nur, wenn sich eine Frühaufsteher Tour in eine Späte wandelt, oder umgekehrt. Dann bekommt man als Goodie einen Tag im Ausland geschenkt. Da man im Leben nicht viel geschenkt bekommt, kannst du dir denken, dass sowas recht selten passiert.

Die Vorteile bei der Kurzstrecke sind mindestens so lange wie die Nachteile. Deshalb denkt auch jeder anders darüber. Manche lieben es. Manche hassen es. Anderen ist es egal. Mir zum Beispiel ist es meist relativ egal. Wenn ich es mir allerdings aussuchen könnte, dann würde ich trotzdem lieber nur Langstrecken fliegen.

Einfach nur, weil man bei der Langstrecke zwei Flüge hat und relativ schnell auf viele Stunden kommt. Eine Kurzstreckentour kann zwar auch so Stundenintensiv sein wie eine Langstrecke, aber die Touren machen dann nur Spaß, wenn das Team super fit ist. Und das Team ist auch schon der zweite Punkt, warum ich die Langstrecke lieber fliege. Wenn ich mit der 747 unterwegs mit, dann besteht die Crew aus 15 Kollegen (ohne das Cockpit). Bei der Kurzstrecke ist man meist zu dritt, oder viert. Man kann sich zur Not also nicht wirklich aus dem Weg gehen. Und manchmal kann es eben sein, dass man sich nichts sehnlicher wünscht, als einem der Kollegen so weit wie nur möglich aus dem Weg zu gehen. Bei der Kurzstrecke ist es auch schwerer einen Kollegen aufzufangen. Wenn einer aus gesundheitlichen Gründen wegfällt, dann ist es kaum möglich das als Crew aufzufangen, ohne etwas vom Service eingrenzen zu müssen.

Normal freue ich mich aber schon auch auf die Kurzstrecke. Die bekommt man nämlich nicht sehr oft, dann ist es etwas Besonderes. Diesmal bin ich allerdings genervt – ich bin nämlich vermutlich über Dominiks Geburtstag weg. Und das war so nicht geplant.

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