Mein morgendlicher Kaffee erinnert mich auch jetzt, zwei Monate nach meinem Flug nach Äthiopien noch an Addis Ababa. Man sagt Addis wäre das Tor zu einer anderen Welt und irgendwie ist da auch was Wahres dran. Doch meine Erfahrungen waren nicht ganz so bunt und glücklich wie man sich das nach einem Besuch bei Pinterest oder dem Lonely Planet so vorstellt.

Richtig viel habe ich nach diesem einen Tag vor Ort auch nicht gesehen und ein wirkliches Feedback kann ich dir somit nicht geben. Mehr einen ersten Eindruck und der war eher etwas erschrocken als begeistert. Vielleicht hätte ich auch einfach etwas anderes machen sollen. Wenn du schon in der Gegend warst und einen Tipp für mein nächstes Layover in Addis (das bestimmt irgendwann kommen wird) hast, dann freue ich mich wirklich über jede Anregung. Jeder hat eine zweite Chance verdient – bei Japan musste ich sogar ganze drei Mal hinschauen um mich für das Land begeistern zu können.

Nach Ankunft ging es für mich erstmal ins Bett. Unser Flug nach Addis landet nämlich irgendwann spät abends erst. Aber zum Glück geht es dafür am nächsten Tag auch erst abends, so um 24 Uhr, wieder los. Man hat somit den ganzen Tag Zeit und kann wie in jedem Layover tun und lassen was auch immer man möchte.

Einige meiner Crew hatten schon in der Luft vom Kaffee geträumt. Mir wurde permanent von diesem einen ganz besonderen Café vorgeschwärmt. Und das nicht weil das Café an sich so schön sei, sondern weil es wahnsinnigen Kaffee verkaufen soll. Genau deshalb hatten sich auch ein Paar von uns zusammengetan. Wir sind direkt drauflos marschiert. Theoretisch war der Weg auch nicht sehr weit, wenn ich das mit meinen Touren durch Berlin vergleiche, dann wars ein Katzensprung. Allerdings gab es auf dem Weg recht viel zu sehen und hier waren dann auch die Dinge dabei, die mich zum Nachdenken veranlasst haben. Die einen  einfach traurig machen und bei denen man genau weiß, dass man nicht wirklich etwas daran ändern kann.

Wir kamen vorbei an den Slums, vorbei an Menschen die auf der Straße lagen und man nicht wirklich sicher war, was hier genau passiert war. Es liefen überall kleine Kinder rum. Kinder, die man hier bei uns nichtmal alleine im Garten spielen lassen würde und verständlicher weise waren wir für viele ein kleiner Hoffnungsschimmer. Kleine Gruppierungen kamen her und bettelnden uns erwartungsvoll an. Am schlimmsten war, dass uns gesagt wurde, wir sollten in solchen Fällen auf keinen Fall jemandem etwas geben. Man solle einfach weiterlaufen und dabei hatte ich ein furchtbar schlechtes Gewissen. Ich glaube in dem Moment fühlten wir alle gleich. Dieses schlechte Gefühl brachte auch jeden dazu die passende Gelegenheit zu finden um wenigstens einer Person den Tag zu retten. Ohne genau zu wissen, ob wirklich alle von uns gleich gehandelt haben, hat vermutlich jeder einen Weg gefunden um irgendwie zu helfen. Wenn auch nur mit Geld.

So eine Erfahrung reißt einen einfach aus unserer mit Puderzucker bestreuten Welt raus. Versteh mich nicht falsch, mich macht es nicht traurig zu sehen, dass meine eigenen Probleme im Vergleich zu deren so unglaublich nichtig sind. Denn eine solche Denkweise finde ich auch falsch. Mich macht es traurig, dass wir in der gleichen Welt leben und ich aus irgendeinem Grund das Glück hatte hier aufzuwachsen während ein anderes Kind einfach unter anderen Umständen, jedoch zur gleichen Zeit geboren wurde und dieses Glück nicht hat. Ich glaube nicht, dass jeder in Addis unglücklich ist. Im Gegenteil – allerdings habe ich trotzdem sehr viel Leid in den Augen der Menschen gesehen und das tat weh.

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