Nicht wir – aber andere. Mein Cousin, um genauer zu sein. Und da seine jetzige Frau – unser neu gewonnener Baumann aus Russland kommt, war am besagten Tag dann doch relativ schnell klar was da auf uns zukommen wird. Eine Russische Hochzeit. Tatsächlich hätte keiner von uns damit gerechtet, da wir die Braut schon sehr lange kennen. Aber es kam eben doch wie es kommen musste und innerhalb von wenigen Minuten hatte jeder von uns eines der Klischees auf den Tisch gepackt die er bei RTL und Co schon so gesehen hatte. Ohne zu wissen was wirklich passieren würde, hatten wir mit unseren Vermutungen so ziemlich alle recht.

Und um ehrlich zu sein, war auch jedes Klischee auf seine Art super – wer kann sich auch über eine Flasche Vodka an jedem Tisch beschweren – und an sich war die Hochzeit wahnsinnig gut organisiert. Es gab permanent Essen. Leckeres Essen. Es gab eine gute Band. Auch die war gut. Es war hübsch dekoriert auch  und an sich fehlte es einem an nichts. Das einzige, was dem ganzen den Wind aus den Flügeln genommen hat, war die traditionelle Tamada – eine Hochzeitssprecherin. Schon allein das… eine Moderatorin für den Tag der so persönlich und toll sein soll, klingt in meinem Kopf irgendwie nicht ganz passend. Aber ich bin eben auch nicht daran gewöhnt und für die russischen Gäste gehörte die Dame eben so zum Abend dazu wie bei uns die Torte (und keine Angst… die Torten gibt es auch bei den Russen). Die Dame hat gefühlt pausenlos durch ihr Mikrofon gequasselt. Sie war schrill und laut und irgendwie eben einfach sehr unpersönlich. Auch das ist Geschmacksache, aber ohne die Lady, die mit Sicherheit auch noch Unmengen verlangt hat, wäre der Abend irgendwie besser geworden. Zumindest war das unser Eindruck. Irgendwann hat sich die Lady aber auch verabschiedet. Dann war wieder eine angenehme, sehr alkoholisierte Ruhe im Raum und alle waren glücklich.

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